Sonntag, 28. April 2013

Wie und wo recherchiert die "Ostschweiz am Sonntag"?

Die "Ostschweiz am Sonntag" bringt in der heutigen Ausgabe auf einer Doppelseite gleich drei Artikel über das niederländische Königshaus. Von einer Sonntagszeitung könnte man erwarten, dass die Journalisten eine Woche lang Zeit hatten, ihre Hausaufgaben zu machen und gut zu recherchieren.

Weit gefehlt.

Die Artikel sind online leider nur für Abonnenten lesbar. Hier einige Zitate:

1:"Amsterdam im Ausnahmezustand vor Willem-Alexanders Krönung"

2."Am Dienstag krönen die Niederländer ihr neues Königspaar, Millionen von Niederländern feiern eine riesige Party"

3."Sämtliche Hotels sind für die Krönungsfeierlichkeiten ausgebucht. Selbst für Zimmer, die diese Bezeichnung überhaupt nicht verdienen, und eher einem grösseren Taubenverschlag mit Toilette im Flur gleichen, werden noch 200 Euro pro Nacht verlangt. Ein Amsterdammer, der direkt am Dam-Platz wohnt, .... zieht für ein paar Tage aus seiner Wohnung aus. Er hat sie  an einen ausländischen TV-Sender vermietet. Preis: 30 000 Euro für eine Woche"

4."Auf der Website marktplaats.nl bieten immer mehr Amsterdammer ihre Wohnungen zur zeitweiligen Miete für die nächste Woche an, weil keine Hotelzimmer mehr frei sind. Die Miete beträgt zwischen 500 und 1250 Euro pro Tag"

5."Schlaflose Nächte hätten sie nicht, behaupten der künftige König und die künftige Königin der Niederlande im Gespräch mit unserer Zeitung."

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Zitat Nummer 5 kann nicht den Tatsachen entsprechen. Die "Ostschweiz am Sonntag" hat kaum mit dem künftigen Königspaar gesprochen. Willem-Alexander und MáximaMáxima hätten nämlich für Aussagen wie "Krönung" und "krönen" (Zitate 1 und 2) kaum ihre Zustimmung gegeben. In den Niederlanden wird der König nicht gekrönt. Stattdessen erfolgt seine Amtseinführung im Rahmen einer Zeremonie. WER sollte dem neuen König die Krone aufsetzen?

Zum Zeitpunkt der Amtseinführung des neuen Königs ist die frühere Königin nicht mehr dazu befugt und die Regierungsmitglieder schon gar nicht.
Wer sich auch nur ein kleines bisschen ernsthaft mit dem niederländischen Königshaus befasst hat, weiss dies. 

Dass "Millionen von Niederländern eine riesige Party" feiern, ist nichts Besonderes. Das tut das Volk jedes Jahr am 30. April. Das hat nichts mit der Amtseinführung des neuen Königs zu tun, sondern mit dem nationalen Feiertag. Gewöhnlich wird dieser Tag am Geburtstag des jeweiligen Königs oder der Königin gefeiert. Als die damalige Kronprinzessin Beatrix, die ihren Geburtstag am 31.1. feiert, im Jahr 1980 das Amt von ihrer Mutter Königin Juliana (Geburtstag 30.4.) übernahm, hat sie sich für die Beibehaltung des "Königinnentags" am 30. April entschieden - vor allem aus rein praktischen Gründen, da der Feiertag gerne im Freien gefeiert wird und dies Ende Januar weniger angenehm ist als Ende April. Künftig wird der Nationalfeiertag wieder am Geburtstag des Königs gefeiert, Willem-Alexander hat am 27. April Geburtstag.

Zitat 3. Diese Aussagen entsprechen nicht den Tatsachen. Eine aktuelle Meldung der niederländischen Onlinezeitung nu.nl zeigt auf, dass  in Amsterdam für den 30. April noch rund 4000 Hotelzimmer zur Verfügung stehen. 
Eine Bemerkung am Rande: Dass die "Ostschweiz am Sonntag" die Tatsache, dass ein Bewohner der Stadt Amsterdam seine Wohnung für eine Woche für viel Geld  an einen Fernsehsender vermietet (es handelt sich übrigens um den deutschen TV-Sender RTL) erwähnt, belustigt mich. Ein Thronwechsel findet in den Niederlanden durchschnittlich gerade mal alle 40 Jahre statt und zieht weltweit Millionen von Zuschauern vor den heimischen Fernseher. Die Zustände in Bezug auf die Wohnungsmieten während des WEF in Davos sind extremer als die Situation in Amsterdam, obwohl des WEF jedes Jahr über die Bühne geht und obwohl nicht in stundenlangen Livesendungen darüber berichtet wird. 

Zitat 4. Ich weiss nicht, wie und wo Helmut Hetzel recherchiert hat. Ich habe mit einem einzigen Klick auf die Marktplaatsseite Zimmer mit Frühstück zum Preis von 100 bis 150 Euro gefunden. 

Der Artikel "Was Máximas Lächeln wert ist" (Odilia Hiller) enthält ebenso einige Fehler.
Máxima soll laut Angaben von Frau Hiller den Titel ihrer Schwiegermutter übernehmen, was natürlich ein absoluter Quatsch ist!
Máxima heisst nach der Zeremonie: "Hare Majesteit, Koningin Máxima, Prinses der Nederlanden, Prinses van Oranje-Nassau" Dass sie den Titel "Königin" trägt, obwohl ihr Mann der König ist, hat historische Gründe. Auch in der Schweiz war es früher üblich, die Frau eines Pfarrers mit "Frau Pfarrer" an zu sprechen oder die Frau eines Arztes mit "Frau Doktor", obwohl diese Frauen weder ein Theologiestudium absolviert hatten noch einen Doktortitel trugen.
Máxima übernimmt also keineswegs den Titel ihrer Schwiegermutter, denn Beatrix heisst noch bis zur Amtsübergabe "Hare Majesteit Beatrix Wilhelmina Armgard, Koningin der Nederlanden, prinses van Oranje Nassau, prinses van Lippe-Biesterfeld"

Máxima wird NIE und nimmer den Titel "van Oranje Nassau" tragen, denn dieser Titel ist den potentiellen Thronfolgern vorenthalten. Die älteste Tochter von Máxima und Willem-Alexander trägt deshalb den Titel  Catharina-Amalia Beatrix Carmen Victoria Prinses der Nederlanden, Prinses van Oranje-Nassau. 

Dass dieser Artikel mitten in einem Satz einfach zu Ende ist, setzt dem Ganzen übrigens noch die Krone auf.  :) 
 





Freitag, 10. August 2012

Blick am Abend: 80 Jahre Lego

Der Blick am Abend berichtet heute unter dem Titel 80 Jahre Stein um Stein über Lego. Der Artikel besteht aus sehr wenig Text und ist eigentlich nur eine Auflistung von Zahlen und Fakten.
Eine einfache Sache müsste man meinen. Nicht so für Cristina Maria Sieber; sie schafft es, bei insgesamt 12 aufgezählten Fakten 2 mal bei den Zahlen um mindestens den Faktor 1000 daneben zu liegen und bei einigen anderen wohl auch eher ungenau zu sein.

Hier ist die Liste der "Fakten" mit meinen Kommentaren dazwischen:
  • Der Name Lego entstand aus dem dänischen Wort «leg godt» was so viel heisst wie «spiel gut».
Mal davon abgesehen, dass "leg godt" zwei Worte sind (also eher ein Ausdruck), scheint diese Aussage zu stimmen.

Freitag, 6. Juli 2012

Tagesanzeiger: Drahtloser Datenverkehr ohne Sicherheitslücken

Der Tagesanzeiger schiesst mit diesem Artikel wirklich den Vogel ab. Es zeigt sich einfach mal wieder, wie schlecht da recherchiert wird. So entstehen veraltete oder schlicht falsche Informationen.

Dass dann auch noch Dinge empfohlen werden, die hauptsächlich den Komfort verringern aber höchstens das Sicherheitsgefühl (und nicht wirklich die Sicherheit!) erhöhen, sei nur am Rande erwähnt.

Sonntag, 18. März 2012

Sonntagszeitung: Google im sozialen Elend

Heute in der Sonntagszeitung hat es eine hübsche kleine Kolumne von David Bauer. Klar, eine Kolumne ist etwas Spezielles. Da geht es um die persönliche Meinung des Autors und darf durchaus schon mal subjektiv sein.

Ich erlaube mir trotzdem, meine eigene subjektive Meinung zur Meinung des Autors zu bilden und diese hier nun auch noch kund zu tun.
"Neulich war ich mal wieder auf Google+. Dieses eine Wort, neulich, drückt das ganze Elend von Googles sozialem Netzwerk aus."
Und genau dies zeigt auch das Dilemma des Artikels. Ein soziales Netzwerk ist sozial. Und wie jede soziale Interaktion lebt auch die oben erwähnte nur, wenn man sie auch pflegt.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Tagblatt / NZZ Online: Schweizer Atomkraftwerke sind sicher

Eine grosse Überschrift für einen kleinen Artikel im St. Galler Tagblatt.
Da können wir ja beruhigt sein. Unsere Atomkraftwerke sind sicher. Aber woher wissen wir das? Galten nicht bisher eigentlich alle Nuklearanlagen als sicher, bis sich eine Katastrophe ereignete?
"Aufsichtsbehörde Ensi zieht positive Bilanz für 2011"
Ok. Das ENSI meldet dies in einer Pressemitteilung. Schön, dass deren Pressestelle schon fast druckfertige Texte liefert. Das erspart den gestressten Journalisten viel Schreibarbeit und Rechercheaufwand. Der Titel der ENSI-Mitteilung ist mit:
"Keine ungeplanten Schnellabschaltungen in Schweizer Kernkraftwerken im Jahr 2011", übrigens massiv weniger euphorisch.
"Die Sicherheit in Schweizer Atomkraftwerken ist im Jahr der Atomkatastrophe von Fukushima jederzeit gewährleistet gewesen. Zu diesem Schluss kommt die Schweizer Atomaufsichtsbehörde Ensi in ihrer am Dienstag veröffentlichten Sicherheitsbilanz 2011."

Freitag, 6. Januar 2012

Blick am Abend: Ein sicheres Flugjahr

Ja, ich gebe es zu: Ich lese den Blick am Abend. Weil er halt abends am Bahnhof kostenlos aufliegt und mir auf dem Nachhauseweg Unterhaltung bietet. Ja, Unterhaltung. Denn Information kann man das nicht nennen.
So ist es auch nicht das Fehlen von schlechten Artikeln, das mich vom Bloggen abhält, sonder einfach eine Umverteilung der Prioritäten. Der BaA würde mir fast täglich Material zum zerpflücken liefern, aber dann würde es hier ja einseitig.

Dass der BaA bei der Berichterstattung zur Nationalbank nicht von der Blick Hauptausgabe abweicht und sich auf Herrn Hildebrand eingeschossen hat, verwundert nicht. Daher ist diese unsägliche Berichterstattung auch keinen Blogbeitrag wert.

Sonntag, 24. Juli 2011

Tagblatt: Handys bleiben draussen

Im St. Galler Tagblatt vom 23.7.2011 ist mir mal wieder ein kleiner aber unfeiner Artikel aufgefallen. "Handys bleiben draussen"  auf Seite 9 der Printausgabe vom 23.7.2011 ist leider online nicht auffindbar.

"Filmpiraterie ist strafbar, Raubkopierer können zivil- und strafrechtlich verfolgt werden. Darauf verweist die Kinoindustrie nur allzugerne und klagt, wegen Raubkopien verliere sie mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr."
Kernige Aussagen sind beliebt. Da macht es nichts aus, wenn völlig falsche und dem schweizer Rechtsystem widersprechende Aussagen verbreitet werden. Der Autor Philippe Reichen (phr) hat sich nicht mal die Mühe gemacht, die Aussage in Anführungszeichen zu setzen.